"Schattenhürdenspringen" - ein "3-Sprung" - Barbara Kaul

Barbara Kaul - Malerei, Zeichnungen, Plastiken, Gedichte, Gespräche, Kurzgeschichten
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"Schattenhürdenspringen" - ein "3-Sprung"


Es ist mir mal wieder nicht gelungen. Ich habe „es“ nicht hinbekommen. Mal wieder nicht! Dabei hatte ich „es“ mir doch so fest vorgenommen. Dieses Mal springst du über deinen Schatten! Aber der Schatten wurde mal wieder zu einer „Schattenhürde“. Selbstmitleid steigt in mir auf und Unzufriedenheit macht sich breit. Ich bin im Unfrieden mit mir. Kein schönes Gefühl.
 
Warum konnte ich nicht so handeln wie Frau oder Herr Meier, Müller oder Schulze? Für die war es offenbar leicht. Oder sollten sie in anderen Situationen auch empfinden wie ich? „Es“ nicht hinbekommen und diesen Unfrieden auch kennen? Ist Schattenhürdenspringen“ eine Sportart, die viele, vielleicht jeder kennt? Ein Volkssport also und anstrengend, wie Sport nun mal ist.
 
Sollte er etwa Teil und Sinn unseres Lebens sein? Ich ahne, dass wir lange üben werden. Vielleicht lebenslang? Könnten die Schatten kürzer werden und die Hürden nicht mehr so hoch erscheinen, wenn wir die „Schattenhürden“ bewusst suchen? Vielleicht. Diesen Gedanken empfinde ich als tröstlich und fühle friedliche Entspannung. Ein gutes Gefühl. Könnte die „Schattenhürdensuche“ eine schnelle Lösung sein, um nicht dauerhaft üben zu müssen?
 
Eine andere Möglichkeit wäre, das „Nicht-Hinbekommen“ bewusst und friedlich anzunehmen. Auch ein guter Gedanke.
 
Ich werde versuchen, friedliche Gedanken für ein friedliches Gefühl zu suchen – für ein friedliches Leben.

Dieser Text erschien im Mitteilungsblatt der Stadt Wetter/Hesse "Wetteraner Bote".
 
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Einige Zeit ist vergangen, und es ist bei diesem Versuch geblieben. Friedliche Annahme sind schöne Worte, die jedoch weitaus schwieriger zu leben sind.
 
Warum kann ich meine mentalen Blockaden nicht akzeptieren und will weiterhin „Schattenhürden“ überspringen? Glaube ich, dass nach dieser Anstrengung „alles gut“, besser als bisher sein könnte? Was hoffe ich zu gewinnen? Vielleicht wird alles schwieriger? Ich könnte Verluste erleiden. Und wird es mir möglich sein, heiter zu scheitern, falls ich „beim Überwinden“ stolpere? Warum erwarte ich zu scheitern? Könnte ja gutgehen.
 
Liegt dieser Drang, „weiterzugehen“ – sich zu bewegen, in der Hoffnung auf „mehr“ – auf „fortschreitende Weiterentwicklung“, in der Natur des Menschen als lebendigem Wesen? Gibt uns dieser Gedanke Kraft, den „Schattenhürdensprung“ zu wagen? Trotz Anstrengung und Furcht? Immer wieder neu?
 
Eine Stimme rät mir, dass es vielleicht besser wäre, statt Hürden zu überwinden, einen Tunnel zu durchschreiten, wo das Licht, am Ende, schon zu sehen ist. Soll in kleinen Schritten gehen, nichts überstürzen, und etwas ganz anderes machen, falls es nicht weitergeht, um in die richtige Richtung zu kommen. Welche Richtung ist die richtige? Etwas ganz anderes machen, wo „es“, das Licht der Erkenntnis, zu sehen ist? Auch alles langsam angehen, um nicht zu stolpern, und vielleicht danach nie mehr aufzustehen?!
 
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Im Traum sah ich „es“: etwas Helles, Strahlendes am Ende des Tunnels, den ich langsam, in kleinen Schritten ganz leicht, ohne Mühe und Angst durchschritt. Gleichzeitig sah ich mich selbst in diesem Licht stehen. Mit offenen Händen verteilte ich, wonach ich selbst suchte: „lebendiges Wasser umsonst“. Verschenkte Liebe, die auf sehr vielfältige Weise erkenn- und erfahrbar war. Anscheinend war so viel von diesem „inneren Reichtum“ in mir, dass „es“ übersprudelte. Über mich hinaus.
 
Wer und wie viele habe ich beschenkt? Wie lange und in viele Richtungen ist „es“ geflossen?
 
Als ich erwachte, hatte ich die Antworten vergessen. Werde ich sie vielleicht im nächsten Traum finden? Oder (auch) im Leben?!
 
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